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Internationaler Yoga-Tag am 21. Juni

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von Swami Veda Bharati, veröffentlicht am 24. Mai 2015

Dies ist für die geliebten Manifestationen des Göttlichen Atman in Yoga,
mein liebes Selbst,
Ich erweise meine Ehrerbietung den Gründern, den Heiligen und den Sehern aus der Lehrer-Linie, durch deren Mitgefühl, Intuition und Einsicht dieses unendliche Wissen zu uns kam, zu unserem Segen und zu unserem Wohl genau jetzt in unserer fortlaufenden Geschichte der spirituellen Entwicklung der Menschheit.

Ein Beispiel, das aktuellste Beispiel…
Kurz nachdem Herr Narendra Modi zum Premierminister von Indien gewählt wurde, richtete er eine Absichtserklärung an die Vereinten Nationen, dass es einen Internationalen Yoga-Tag geben sollte. 177 Nationen sprachen sich dafür aus, was noch nie da gewesen war. So kam es, dass jährlich der 21. Juni  zum Internationalen Yoga-Tag erklärt wurde.

An diesem Tag sollten alle sich zusammen tun, die in ihrer Suche dem inneren spirituellen Kern des Yoga folgen, in welchem Zweig des spirituellen Yogas auch immer, um ihre inneren Erfahrungen auszutauschen, um über den Fortschritt ihrer Suche nachzudenken, und um in einer Stimmung tiefer Stille zu sein.

An diesem Tag lass all diejenigen zusammen meditieren, die sich an die uralten Systemen des Yoga halten, wie sie gelehrt wurden von den Sehern. Meditiert mit Körper, Geist und „Seele“.

Was kann Yoga uns geben?

Hier ein Beispiel, was erst vor kurzem geschah: Normalerweise sind Politiker im Wahlkampf in extremer Aufregung an dem Tag, an dem die Wahlergebnisse verkündet werden. Sie hängen am Fernseher, telefonieren überall hin und so weiter. Der derzeitige Premierminister von Indien, der ein von einem Swami Initiierter ist, erwartete die Wahlergebnisse am 16. Mai 2014. An diesem Tag schaltete er den Fernseher nicht vor 12 Uhr mittags ein; er saß nur alleine da in Meditation. Das ist der Weg eines Meditierenden. Und das ist es, was Yoga uns gibt: höchst erfolgreich zu sein und dabei ruhig zu bleiben.
Als er die Vereinigten Staaten von Amerika besuchte, war das in einer Zeit des heiligen Fastens. Er hatte ein hektisches Programm. Mehrmals traf er sich mit Präsident Obama, gab beeindruckende öffentliche Ansprachen, auch die Ansprache im Madison Square Garden, und alles während des Fastens. Seine ungebundene Energie inspirierte alle; jeder fragte sich, wo seine Energie und sein Magnetismus herkamen. Die Quelle dessen ist Yoga und Meditation.
Dies ist nur ein aktuelles Beispiel. Eine Abbildung dessen, was Yoga uns geben kann, während wir hier in dieser Welt leben. Das ist nur eine Darstellung.
Sag nicht: „Ich kann nicht meditieren, weil ich so damit beschäftigt bin, Erfolg in dieser Welt zu haben“! Verfolge ein Ziel und erreiche es, aber sei nicht gestresst davon.

Was ist dieses Yoga? Was ist es? Was sind die Zeichen von einem, der Yoga übt?

Über den ersten Vers der Yoga-Sutras von Patanjali schreibt Vyasa, der erste und noch immer führende Heilige Kommentator:

Yogah samadhih
Yoga (bedeutet) Samadi.

„Yogah samadhihi“ steht außerdem im Logo unserer Organisation AHYMSIN – der Vereinigung der Verbände der Himalaya Yoga Meditation, international – mit ihrem Hauptsitz im Swami Rama Sadhaka Grama in Rishikesh.
Der authentischste alte Text des Yoga spricht davon in diesem Sinne. Der authentischste alte Text des Ayurveda, Charaka-samhita, sagt:

Yogo moksha-pravartakah
Yoga ist das, was einen antreibt zur spirituellen Befreiung (moksha)  und sie schließlich auch gewährt.

Sharira-sthana 1.137

Bitte präge Dir diese beiden Definitionen ein und mache sie allen bekannt, die den Pfad des Yoga betreten, durch welche Zufahrt auch immer.

Yogah samadhih (aus dem Text über Yoga)
Yogo moksha-pravartakah (aus dem Text über Ayurveda)

Die großen Werke des Yoga wurden geschrieben – wir wissen nicht, in wie vielen tausenden von Jahren, wir wissen nicht, in wie vielen verschiedenen Sprachen. Ich wähle einfach mal einen klassischen Text in der Kannada – Sprache, einer südindischen Sprache: Shunya-sampadane. Der Titel dieses Textes bedeutet Erfüllung, Fertigstellung, Perfektion in shunya, der unendlichen Leere.

Hier in der Shunya-sampadane lesen wir über den Großmeister Allama Prabhu:

Allama Prabhu betritt Animishadevas Meditationskammer und nimmt die Gegenwart eines anderen Meisters war. Die folgenden Sätze beschreiben die Erfahrung des Großmeisters:

Sein körperlicher Verstand aufgelöst;
Sein Wille zur Ruhe gekommen in Willenlosigkeit;
Sein Auge gehalten in Beständigkeit;
Sein Sehvermögen erloschen;
Seine Wimpern ohne Blinzeln;
Sein Bewusstsein stabil;
Seine Unruhe aufgelöst durch die Wahrnehmung seiner selbst;
Seine Wahrnehmung „des Anderen“ beendet;
Der Abstand zwischen dem Konzept „zwei“ verschwunden;
Sein Selbst wurde zum Selbst in allen;
Alle seine Impulse zu einem Punkt gebracht, in dem der Geist zu nichts schwindet;
Ihm selbst zur Vollendung gebracht die Bedeutung der Doktrin

„Das Nichts (shuyynya) oben
Das Nichts unten an der Basis,
Das Nichts im Zentrum“

Frei von Fehlern;
Absolut frei von geistigen Erscheinungen —
Dies sind die Merkmale von jemandem, der in Samadi ist,
Geworden zu einem Abbild, das von der Trance der Wirklichkeit absorbiert wurde.

Shunya-sampadana, erste Upadesha, vachana 19

(ins Englische übersetzt von S. C. Nandimath, L.M.A.Menezes, R.C. Hieremath)

Dies ist kein buddhistischer Text. Es ist der echteste, der älteste, und der wichtigste Text der Karnataka Shaiva / Shiva Tradition. Der Text beschreibt den Zustand von shunya und erklärt die Bedeutung in diesem Sinne. Die Übersetzung ist nicht von mir. Einen herzlichen Dank an jene, die freundlicher Weise diesen Text zugänglich gemacht haben.

Kontempliere über diese Verse, lese sie, höre sie wieder und wieder.

Dann frage:
Wie weit sind wir in unserer alltäglichen Übung entfernt von diser Definition und diesem Ziel, und wie weit weicht unser Verständnis von Yoga davon ab?

Ich zitiere aus einer anderen Quelle, dieses Mal aus einer buddhistischen Niederschrift:

Es gab einmal einen griechischen König namens Menandros (in griechisch; Menander in Englisch, Milinda in Pali, 165/155 – 130 v. Chr.), der über einen Großen Teil Südasiens regierte, vom Fluss Kabul in Afghanistan bis zum Fluss Ravi im heutigen Punjab in Pakistan. Es gibt einen Text in der Pali-Sprache (die Sprache, die Buddha sprach), in dem ein Gespräch zwischen Menandros und dem buddhistischen Mönch Bhikkhu Nagasena festgehalten wurde. Der Text wird Milinda-panha genannt (ein Pali-Text mit dem Titel „Die Fragen des Milinda“).

 Im 6. Kapitel fragt der König den Mönch, welche Qualitäten sich in dem offenbaren, der Yoga übt. Der Mönch antwortet, indem er 179 Qualitäten darstellt, die sich in einem zeigen sollten, der Yoga übt. Dies stellt er da in Gleichnissen, Wesen oder Objekten, die mithilfe einer Liste von 67 Existenzen aufgezeigt werden.

Eine weitere Aufzeichnung des Dialogs zwischen einem griechischen König und dem Buddhistischen Mönch Bhikkhu Nagasena wurde ebenfalls übersetzt vor einigen Jahrhunderten, in einer kürzeren Fassung in Chinesisch.

Von diesen 179 Qualitäten zählen wir nur die fünf Qualitäten des Meeres auf. Erlaube mir, den Text zu übersetzen. Der Suchende möge Pali lernen (eine jüngere Schwester des Sanskrit), um in den Genuss des ganzen Dialogs zu kommen. Viel Spaß dabei!

 

Also hier sind nun die fünf Qualitäten des Meeres, die in dem gefunden werden, der Yoga übt. Der Mönch sagt dem griechischen König folgendes:

Jemand, der den Übungsweg des Yoga beschreitet, hat fünf Qualitäten des Meeres.

1. Das Meer behält einen toten Körper nicht sehr lange als solchen. Also verweilt der Yoga Übende nicht bei den Fehlern wie bei der Anziehung und Verlockung, der Abneigung, dem Stolz, der Selbstverehrung (dies an die Yoga-Lehrer), der Angeberei (d. h., ein großer Yogikönig zu werden, wenn Du noch nicht einmal ein Schüler geworden bist), außerdem bei den Fehlern Eifersucht, Neid, Bosheit, Betrug, Unaufrichtigkeit, Rauheit, schlechtes moralisches Benehmen und Kummer.

2. Obwohl das Meer Perlen und viele andere Kostbarkeiten in sich trägt, hält er sie verborgen. So sollte sich der Yoga Übende ebenfalls verhalten, wenn er in sich die Juwelen entdeckt wie den richtigen Weg, die Früchte der Übung, Meditation, Samadhi, Vereinigung, Einsicht, Weisheit usw. Das alles sollte man für sich behalten und nicht zur Schau stellen.

3. Das Meer bewahrt eine Verbindung mit der größten aller Kreaturen. Also sollte der Yoga Übende ebenfalls in der Gesellschaft eines großen Mönches bleiben, der auch bestimmte Qualitäten in sich etabliert hat: Er sollte jemand sein, der sehr wenig begehrt, der zufrieden ist, mit einer festen Stimme spricht, der ein reines Benehmen vorweist, bescheiden und sanft ist, tief, ehrwürdig und sprachgewandt, jemand, der eifrig ist und Lastern abgeneigt ist, der den Grundsätzen anderer zuhört und selber grundsätzliche Prinzipien aufzeigt, jemand, der etwas erklären kann und zum richtigen Weg führen kann, der in anderen eine Haltung der Hingabe und Begeisterung hervorrufen kann durch seine Erzählungen über dharma, dem Lebensweg, und jemand, der wohltätig ist.

4. Wie das Meer die Wasser tausender Flüssen genauso empfängt wie die Wasserströme aus den Wolken, und dennoch seine Form nicht verändert, so sollte der Yoga Übende, der Unterstützung, Respekt, Ehrerbietung und Auszeichnungen empfängt, die Form seiner Grundprinzipien nicht verändern.

5. Wie das Meer die Wasser tausender Flüsse genauso empfängt wie die Wasserströme aus den Wolken, und dennoch niemals so voll wird, dass es nichts mehr aufnehmen könnte, so sollte der Yoga Übende niemals zu satt und voll sein zu lernen, sich über dharma zu unterhalten, anderen zuzuhören, die über ihre Prinzipien erzählen, über diese nachzudenken, sie zu untersuchen, und Philosophie und Heilige Texte in ihrer Tiefe zu studieren.

 

Mögen diese 179 Qualitäten sich in Dir noch in diesem Leben entwickeln! Sei tüchtig!

 

Anbetungsvoll widme ich diese Betrachtungen meinem Gurudeva Swami Rama aus dem Himalaya, und allen in dieser Traditions-Linie, die er unterwiesen hat, und den Sehern und Heiligen, die die Wissenschaft des Yoga gegründet haben, empfangen in tiefster Meditation.

Ich wünsche allen Übenden und Teilnehmern von Yogaereignisses wie diesem, dass sie im Yoga erfolgreich sind.

Yogo vah sa-phalee-bhooyaat
Möge Dein Yoga erfolgreich sein.

(Der Aufbau des Verbs ist hier in einer Form im Sanskrit, die die segnende Form meint.)

Ich lade Dich ein in unser Ashram an den Ufern des Heiligen Flusses Ganges, wo sich schon seit tausenden von Jahren Yogis in Stille und Anonymität aufhalten und auf die warten, die vorbereitet sind und sich verdient gemacht haben.

Und aus einer anderen Tradition…

Wenn die Koreanischen Buddhisten jemandem Lebewohl sagen, dann sagen sie:

Mögest Du erleuchtet werden.

Damit geh in Stille. Betrete den Tempel der Göttlichkeit, der dein fünflagiger Dreifachkörper ist, und erfahre die Ruhe, die Stille des Geistes. Beruhige den Geist, entspanne Deine Stirn.
Bring Deine Aufmerksamkeit zum Fühlen Deines Atems, empfange das Geschenk des Atems in Dankbarkeit, Bescheidenheit und Ehrfurcht.
Fühle das Fließen und die Berührung Deines Atems in Deinen Nasenlöchern. Atme sanft, langsam und weich, ohne ruckartige Bewegungen, ohne ruckartige Bewegungen im Geist, ohne ruckartige Bewegungen in Deinem langsamen, sanften, weichen Atem.
Nimm welchen Namen auch immer von Gott oder der Göttlichen Mutter, wie es üblich ist in Deiner Religion oder Tradition – nicht in den Mund, nicht auf die Zunge…
Fühle nur das Fließen und die Berührung des Atems in der Nase, und mit dem Ausatmen denke Diesen Namen, und mit dem Einatem denke Diesen Namen.
Diejenigen, die ein persönliches Mantram durch Initiation erhalten haben, mögen dieses Mantram oder den Namen Gottes oder der Heiligen Mutter verwenden, wie es Deinem Glauben entspricht. Und wenn Du keinen solchen Glauben hast, denke mit dem Ausatmen „eins“, mit dem Einatmen „zwei“.
Fühle das Fließen und die Berührung des Atems in den Nasenlöchern mit Diesem Namen in Deinem Geist fließend…
Fahre fort mit dem sanften, weichen Fließen…
Keine ruckartigen Bewegungen, kein Atmen zwischen den Atemzügen. Beobachte, wie Dein Geist, der Name und der Atem zu einem einzigen Strom des Bewusstseins werden… fließe in diesem Strom…
Ohne Dein Bewusstsein von Deinem Fließen in diesem Strom des Bewusstseins zu lösen, öffne sanft Deine Augen, aber lass das ruhige Fließen Deines Geistes, des Reinen Namens, des Atems sich verbinden in Bewusstsein; fahre fort zu fließen, auch wenn Deine Augen geöffnet sind.
Beschließe in Deinem Geist, Deinen Geist auf diese Weise zu beruhigen, viele viele Male am Tag.
Möge Dein Yoga erfolgreich sein! Mögest Du erleuchtet werden!

übersetzt von Birgit Maes