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Wie wir unsere Welt retten können

Himalaya 2013 594

Es wird ständig darüber gesprochen, dass endlich etwas getan werden muss, und dass es so nicht weiter geht, was zur Zeit passiert mit unserer Welt, unserem einzigen Lebensraum. Und es bestehen Bedenken, ob es nicht schon zu spät ist, etwas zu ändern.

Aber es ist nicht zu spät. Wir haben diesen Lebensraum zur Verfügung bekommen, damit wir und unsere nächsten Generationen hier leben können, damit wir uns hier entwickeln und aneinander wachsen können. Für inneres Wachstum und spirituelle Entwicklung brauchen wir einen Lebensraum, der uns dabei unterstützt. Einen Lebensraum, in dem wir nicht um das Überleben kämpfen müssen, sondern in dem wir behütet und beschützt sind, damit wir uns edleren Dingen widmen können wie z. B. die Erarbeitung von Tugenden oder die Entwicklung von förderlichen Neigungen.

Daher ist es wichtig, diesen Lebensraum als solchen zu erhalten. Und wie können wir das tun?

1.   Die Welt auf äußerer Ebene

Betrachten wir doch einmal, wie wir Menschen auf dieser Erde in diese Situation gekommen sind.

1.1. Die Mächtigen

Für einige hat es sich ergeben, dass sie in Machtpositionen stehen. Sie haben die Macht an sich gerissen, oder sie wurde ihnen anvertraut. Bei diesen Menschen ist die Versuchung groß, immer mehr Macht an sich zu bringen, indem sie ständig mehr materielles Vermögen anhäufen. Das geht fast immer nur auf Kosten von anderen Menschen oder auf Kosten von anderen Lebewesen. Die Machtinhaber entfernen sich dadurch weiter von einem klaren Blick für die Bedürfnisse der Mitmenschen.

Oft sind die Menschen in Machtpositionen in der Annahme, besser und wichtiger zu sein und damit mehr beanspruchen zu dürfen als andere Menschen. Oberflächlich denken sie, sie tun den Menschen einen Gefallen, weil sie ihnen Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Sie spielen die Rolle des Verantwortlichen für die Mitarbeiter. Nur leider ist derjenige, der keinen klaren Blick hat, gar nicht in der Lage, wirklich Verantwortung zu übernehmen. Die Größe der Klarheit erkennt man an dem Ergebnis seiner Handlungen: wie es den Menschen in seinem Lebensumfeld geht.

Darüber hinaus sei erwähnt, dass sich bestimmte Strukturen etabliert haben in der Bildung der Machtpositionen. Diese Strukturen entziehen den „normalen“ Menschen eine gesunde Basis für ein harmonisches Leben auf dieser Welt. Und nur deshalb sind viele abhängig von großen Firmen mit vielen Arbeitsplätzen. Es ist also eine konstruiertes Problem der Abhängigkeit und keine natürliche oder notwendige Situation. Letztlich schaden große Firmen der Umwelt. Sie sind ein Ergebnis von Machtgier.

1.2. Die „Opfer“ des Systems

Auch gibt es viele Menschen, die die Verantwortung für ihre Situation nicht selber tragen möchten, die sich als Opfer des Systems sehen. Sie geben allzu leicht und allzu gerne ihre Eigenverantwortung auf und möchten, dass andere für sie das Leben gestalten. Das ist ein Phänomen, das sehr weit verbreitet ist.

1.3. Die Lust auf Bequemlichkeit

Darüber hinaus ist eine allgemeine Bequemlichkeit überall präsent, die bis in die kleinsten Alltagssituationen hinein reicht. Mit fortschreitender Industrialisierung wurden ständig mehr Dinge entwickelt, um unser Leben leichter und bequemer zu machen. Das meiste davon ist von Anfang an nur möglich durch Ausbeutung anderer Menschen, Lebewesen oder von Rohstoffen.

Diese leicht zugängliche Bequemlichkeit wurde eine tiefe und feste Gewohnheit. Die kleinsten täglichen Entscheidungen tendieren überwiegend in die Richtung, Mühe und Anstrengung zu vermeiden und kurzfristig Genuss zu bringen. Diese Gewohnheit hat sich über die Jahrhunderte so gefestigt, dass uns diese Lebensart selbstverständlich geworden ist.

1.4. Vergeudung von Potential

Es gibt auch „gute“ Erfindungen, die nicht auf Ausbeutung basieren. Diese könnten wir dazu nutzen, um sinnvoll tätig zu sein zum Wohle der Gemeinschaft und der inneren Entwicklung. Doch was tun wir mit der Zeit, die wir durch all die Erleichterungen zur Verfügung haben? Was tun wir mit dem Körper, der dadurch geschont wird? Er verkommt genau wie der Geist, degeneriert durch Müßiggang und dem steten Streben nach Sinnesbefriedigung. Können wir so ein erfülltes Leben erlangen? Können wir so wirklich glücklich werden? Die Befriedigungen sind nur von kurzer Dauer. Schnell stellt sich Überdruss und Langeweile ein, begleitet von Frustration und einem Gefühl, dass irgend etwas nicht wirklich gut ist.

2. Die Welt auf innerer Ebene

Weiter hat unsere Einstellung zum Sinn unseres Lebens uns in diese Klimasituation gebracht. Da sind die Meinungen gespalten. Die einen glauben, dass es einen Sinn gibt, warum wir hier sind auf dieser Welt. Die anderen glauben, dass alles nur ein Zufall ist. Wieder andere wissen nicht so recht, was sie glauben sollen.

2.1. Die Theorie der Sinnlosigkeit

Wären wir Menschen zufällig durch die Evolution entstanden wie Tiere, würden wir im großen Veränderungsfluss der Evolution auch aussterben wie Tiere. Das wäre dann auch nicht weiter schlimm, so wäre es dann halt. Dann würden wir genau so weiter machen wie bisher, die Hoffnungslosigkeit in der Welt würde wachsen, wir Menschen würden in immer größeren Schritten einem Abgrund entgegen gehen, bis es die Menschen nicht mehr gäbe.

Nur wenn das alles ohne Sinn, wenn alles sinnlos ist, warum gibt es dann etwas in uns wie Liebe und Herzenswärme? Warum gibt es Ängste in den Menschen und Schmerz? Warum haben wir ein Gewissen und spüren Sehnsucht? In all diesem liegt etwas verborgen, das über das hinaus geht, was wir mit den Händen begreifen oder mit den Augen sehen können. Es gibt mehr als diese „materielle“ oder „äußere“ Welt. Es gibt einen Grund, warum Du auf Dein Herz zeigst, wenn Du auf Dich selbst zeigst! Diese Geste ist die gleiche in allen Kulturkreisen!

Wer das Dasein auf das Äußere reduziert, findet dort nicht den Sinn des Lebens. Der liegt in uns, in jedem von uns. In den Dingen, die hinter den materiellen Dingen liegen. Wir müssen in uns hinein spüren und die Wahrnehmung nach innen richten, um das zu erkennen.

2.2. Die Theorie der Sinnerfülltheit

Die Menschen würde es weiter geben, auch nach einer Klimakatastrophe. So schnell sterben wir ganz bestimmt nicht aus. Das Elend wäre nur größer! Es gibt einen tieferen Sinn unseres Daseins. Und dieser ist nicht erfüllt, indem wir uns vernichten. Wir werden weiter existieren, bis er erfüllt ist. Nur wie wir leben weren, die Qualität unserer Umgebung, die müssen wir selbst gestalten.

Was ist der Zweck unseres Dasseins? Warum das Ganze? Die Religionen und Philosophien beschäftigen sich damit. Das ist auch Inhalt der Yoga-Wissenschaft, sie ist praktisch die Wissenschaft von unserem Dasein. Das WARUM ist ein tiefes Mysterium, das Wissen darum erfordert Erkenntnis, die hier nicht so eben vermittelt werden kann. Das im tiefsten zu erkennen erfordert Übung, Hingabe, Geduld und Inspiration.

Aber die Erkenntnis um das WARUM ist letztlich uns allen zugänglich. Wer es erkennen möchte, wird es sehen. Wir müssen es aber nicht in der ganzen Tiefe verstehen, um eine Notwendigkeit für Änderungen in dieser Welt zu erkennen. Es reicht schon Respekt vor der Schöpfung, und es ist eine Sache der Dankbarkeit, dass es uns verhältnismäßig gut geht und dass wir die Möglichkeit haben, uns ein gutes unmittelbares Lebensumfeld zu schaffen.

3. Die Brücke in eine bessere Zukunft

Was können wir nun konkret tun?

3.1. Die Vielzahl der Menschen

Wir sind mittlerweile sehr viele Menschen auf dieser Welt, und das muss irgendwie organisiert und gestaltet werden, um ein friedliches Leben zu ermöglichen. Es muss folglich Menschen geben, die diese große Zahl an Menschen organisieren. Nur wenn die Motive dieser Gesellschafts-„Organisatoren“ nicht im Einklang mit unserem wirklichen Daseins-Sinn sind, dann kann auch das Leben in diesen Gesellschaften keine guten Voraussetzungen schaffen für die Erfüllung dieses Sinns. Wenn die Motive Gier, Macht, Egozentrizität, Streben nach kurzfristigem Genuss usw. sind, hat das, wie oben schon beschrieben, das Elend zur Folge.

Daher ist es unerlässlich, dass besonders unsere Führungspersönlichkeiten ein Verständnis entwickeln, das weit über Gier etc. hinausgeht; das auch das mit einbezieht, was nicht mit Händen berührt oder mit Augen gesehen werden kann!

3.2. Die Notwendigkeit, sofort zu handeln

Es wird teilweise argumentiert, die Welt hätte schon immer Klimawandel gehabt, es seien schon immer irgendwelche Tier- und Pflanzenarten ausgestorben und neue entstanden. Was wir zur Zeit auf diesem Planeten erleben, steht allerdings in keinem Verhältnis dazu. Es sterben drastisch schnell zu viele Arten aus, so dass ganze Ökosysteme kollabieren. Die Veränderungen sind zu schnell, dass dafür neue Arten entstehen könnten, um ein Funktionieren zu gewährleisten.

Unsere Ernährung und unsere Atemluft sind aber abhängig von den bestehenden Ökosystemen. Es muss schnell gehandelt werden, weil mit jedem Aussterben ganze Kettenreaktionen in Gang gesetzt werden, die unglaublich weite Ausmaße haben. Je schneller wir den schon nicht mehr großen Restbestand an Artenvielfalt schützen, desto milder werden die Veränderungen sein, die eh schon auf uns zukommen. Ihr immenses Ausmaß ist noch gar nicht vollständig erkannt. Es ist gruselig, sich dem Wissen, das bereits da ist, zu stellen und sich einzugestehen, dass man selber auch verantwortlich dafür ist.

3.3. Was Du tun kannst

Genau wie ich und wie jeder andere musst Du anfangen, die Verantwortung jeder einzelnen Deiner Handlungen selbst zu übernehmen. Du bist verantwortlich für den Zustand unseres Planeten!

Führe ein sinnvolles Leben und strebe nach den inneren Schätzen, die in Dir liegen! Die Inspiration, die Wahrheit, die Liebe, das Verständnis, das Glück. Entdecke die Schönheit in der Bescheidenheit! Das macht einfache Dinge zu etwas Besonderem, so dass Dein Leben etwas Besonderes wird.

Halte immer wieder inne, um in Dich hinein zu spüren und Deine wahre innere Führung zu entdecken, die Dir geschenkt ist, die in Dir liegt! Und beginne jetzt sofort! Mit jeder kleinsten Entscheidung in Deinem Alltag gestaltest Du unser Leben, unseren zukünftigen Lebensraum. Viel Wissen, das dafür nötig ist, hast Du schon!

Auf diese Weise ändere Deine Gewohnheiten! Beginne klein, und wachse weiter! In jedem Moment neu, und immer wieder! Hänge nicht an dem, was war, und sei bereit, etwas wundervolles Neues zu entdecken! Lass Dich darauf ein!

 

Birgit Maes