Rishikesh, Swami Veda

Zwei Wege im Yoga

kiesel

Es gibt viele Missverständnisse über Yoga. Es gibt viele Yoga-Wege, und unterschiedliche Yogis wählen unterschiedliche Wege. Hier werden wir nur über zwei Wege sprechen, um ein paar Missverständnisse zu klären. Es gibt eine allgemeine Auffassung darüber, dass alle Yogis von Gesundheit und Jugend strahlen. Manchmal hören wir Fragen wie: Wenn er ein Yogi ist, warum trägt er eine Brille? Wir werden nun ein wenig erklären.

Ramakrishna Paramahansa starb an Krebs. Swami Vivekananda starb an Diabetes. Paramahamsa Yogananda starb an einem Herzinfarkt – so hören wir. Aber wir haben keinen Zweifel über ihre Errungenschaften im Yoga.

Hier gibt es zwei Wege. Der Weg der Dhyana-Yogis und der Weg der Hatha-Yogis. Die Hathayoga-Übungen, die Jugend und strahlende Gesundheit gewähren, sind sehr zeitaufwendig. Die Dhyana-Yogis führen eine Grundlage an Hatha-Übungen aus, um es dem Körper zu ermöglichen, in Meditation sitzen zu können. Sie ziehen es dann vor, innere meditative Übungen zu praktizieren, um die Ziele der Erkenntnis von der Unendlichkeit und von Moksha zu erreichen.

Sogar die Übungen der Dhyana-Yogis und der Hatha-Yogis unterscheiden sich von Grund auf. Zum Beispiel lehren Hatha-Yogis Kumbhaka, das Einhalten des Atems. Die echten Dhyana-Yogis, sowohl aus der Himalaya Yoga Tradition als auch in den Buddhistischen Orden, lehren Das Bewusstsein auf der Weichheit und Gleichmäßigkeit des Atems und verwandte Übungen. Sie bevorzugen es, kevala-kumbhaka zu vervollkommnen, das bedeutet, der Atem wird so fein und subtil, dass er in akasha-tattva, dem Raum-Element, hineingeht. Dies kann nur experimentell verstanden werden. Nur sehr wenige kennen diese Übungen und haben sie gemeistert.

Unter den Dhyana-Yogis (und Jnana-Yogis) gibt es die, die in der Einsamkeit von Höhlen leben (falls inzwischen noch einsame Höhlen übrig sind!) und in der Zurückgezogenheit von Mönch-Zellen. Sie nehmen nicht sehr viele Schüler an und bleiben versunken in ihren kontemplativen Übungen.

Dann gibt es die, die aus eigener Entscheidung oder im Auftrag ihres Lehrers draußen in der Welt dienen und lehren. Sie reisen umher und leiten tausende Menschen an, und sie schaffen es, auch noch Zeit für ihre eigene Übung zu finden neben der Aufmerksamkeit, die notwendig ist, andere zu führen und ihnen zu helfen, einmal abgesehen davon, dass sie oft große wohltätige Projekte auf sich nehmen. In solch einem Leben sind die Anforderungen an ihre Zeit so groß, dass diesen Lehrern keine Zeit bleibt für Dhyana-Yoga und Jnana-Yoga für das eigene körperliche Wohlergehen.

Also in diesen wenigen Minuten oder Stunden, die sorgsam gerettet werden, kann man entweder in Meditation gehen oder Augenübungen machen, um die Brille abzunehmen!

Außerdem, gibt es denn keinen körperlichen Vorteil auf dem Pfad der Meditation? Das wäre auch eine falsche Annahme.

Erstens verweilen die Dhyana-Yogis in der inneren Welt des Geistes, von wo aus sie einen unendlichen Fluss inneren Wissens gewinnen, den sie fortwährend mit anderen teilen.

Zweitens machen solche Yogis den Körperzustand nicht zum Geisteszustand, und die spirituellen Übungen ermöglichen ihnen auszuhalten, sogar wenn ihr Körper auf diesem Wege kollabiert. Sie haben der Mission ihrer Lehrer-Linie gedient und sterben in Befriedigung und innerem Frieden.

Das Dritte ist der größte Nutzen für den Körper. Die Meditationsübungen erwecken ihre Prana-Körper, und es ist das Prana, das ihnen die innere Kraft gibt, weiter zu dienen weit über die Kapazität von normalen Menschen hinaus.

Hier werde ich ein persönliches Beispiel geben.

1946 begann ich das Vollzeit-Reisen und unterrichten sowohl in Indien als auch international. Es ging so weiter ohne Pause für 68 Jahre meiner 81 Lebensjahren. Für viele Jahrzehnte haben mich diejenigen, die in meiner Nähe dienten, oft am Rande eines Zusammenbruches gesehen und rieten mir dazu, Termine, Reisen oder Unterricht abzusagen. Ich durchlaufe spezielle und subtile innere Prana-Erweckungsübungen, die Hatha-Yogis nicht kennen. Eine halbe Stunde nach solchen Übungen und tiefer Meditation sehen mich die gleichen Menschen und sind überrascht, wie ich Unterricht erteile, Vorträge halte und Termine einhalte mit voller Kraft.

Hast Du jemals davon gehört, dass eine Person viele Jahre mit sechs absolut blockierten Herzarterien mehrere Male um die Welt gereist, um Vorträge zu halten? So ist es in meinem Fall, durch die Kraft von Dhyana-Yoga.

Also ist Dhyana-Yoga doch nicht absolut unbrauchbar, um den Körper zu pflegen!

Veröffentlicht am 3. Februar 2014 von Swami Veda Bharati, übersetzt von Birgit Maes